Vulva und Vagina – Vulvagina

Vulvagina – klingt wie Vulkan!

Wenn es um das weibliche Genital geht, liegt vieles noch im Dunkeln. Es gibt noch nicht einmal einen richtig guten Namen dafür. In diesem Artikel werde ich ein paar Geheimnisse lüften. Es geht um die Vulva und die Vagina deren Anatomie und Aussehen. Wir reden darüber was normal ist, wie du sie pflegen und was du tun kannst bei Erkrankungen, Reizungen und Infektionen. Und es geht um Zwiegespräche zwischen dir und ihr…. Klingt das spannend?

Kennst du deinen Intimbereich?

Wie sieht es eigentlich untenrum bei dir aus? Beim Mann ist es offensichtlich und nicht zu übersehen. Männer sind oft besonders stolz auf ihr Gemächt und zeigen es gerne, gefragt oder ungefragt. Gemächt ist ein imposanter Name, es klingt nach Macht und machen. Ganz anders bei den Frauen. Schon Mädchen lernen früh die Beine schön zusammen zu halten und ihren Intimbereich zu verstecken und zu schützen.  Sich dafür zu schämen. Zumindest war das in früheren Generationen so.

Bei Frauen sieht man nur den Venushügel und die Venuslippen, sofern sie rasiert ist. Was sieht dahinter verbirgt ist oft ein Geheimnis.  Es gibt immer noch erwachsene Frauen und Männer, die sich das weibliche Genital noch nie so richtig angeschaut haben. Da sind immer noch viel Scham und Schuld. Ab und zu riskiert man einen verstohlenen Blick. Vor Kurzem hat mir ein Mann erzählt, dass er sich noch nie getraut hat richtig hinzuschauen. Dabei ist er Vater von drei Kindern und war bei den Geburten dabei!

Immer wieder höre ich von Frauen, dass sie unsicher sind in Bezug auf das Aussehen ihrer Vulva. Sie finden sie nicht schön. Schönheitsoperationen nehmen in diesem Bereich immer mehr zu. Das ist tragisch, zumal jede Frau einzigartig ist.  Genauso einzigartig ist ihre Vulva.  Doch was ist eine schöne Vulva? Wie sieht eine normale Vulva aus und was wird so bezeichnet?

Anatomie des weiblichen Genitals

Der äußere Teil des weiblichen Genitals nennt man Vulva. Dazu zählen der Venushügel, die äußeren und die inneren Venuslippen, auch als Vulvalippen, oder Schamlippen bekannt. Darin eingebettet ist der sichtbare Teil der Klitoris. Unterhalb der Klitoris befindet sich der Harnröhrenausgang und darunter der Scheideneingang oder die Vagina. Die Vagina ist der Kanal, der zur Gebärmutter führt.

Es gibt leider keinen schönen, liebevollen  und neutralen Namen, der Vulva und Vagina zusammenfasst. In der alten indischen Tradition wird sie als Yoni bezeichnet.

So viel zu Namen und Anatomie. Doch wie sieht nun eine normale Vulva aus? Die Antwort ist: Es gibt keine normale Vulva! Das Normale ist die Unterschiedlichkeit! Jede Frau ist auch im Intimbereich anders, einzigartig und wunderschön.

Die Vulva mit der Klitoris – ein Lustorgan

Jedes Organ hat im Körper eine Funktion. Wusstest du, dass die Klitoris nur dazu da ist, um dir Lust zu bereiten? Dabei ist die Klitoris nicht nur dieser kleine Teil, der von außen sichtbar ist, sondern ein riesiges Organ, welches sich im Körperinneren und hinter den Venuslippen befindet. Sie kann deshalb  auch über die Vagina stimuliert werden. Enorm, oder?

Da hat sich die Natur ein Organ einfallen lassen welches einzig und allein der Lust dient! Anstatt dem zu huldigen, sich darüber zu freuen und stolz darauf zu sein, wird es als Scham bezeichnet.

Kleine Übung für dich:

Der „Hoppla-Hier-Komm-Ich-Gang“

Stell dich mal breitbeinig hin, spüre in dein Genital hinein und lass es einfach hängen. Wiege dein Becken ein wenig hin und her und lass die Venuslippen los. Stell dir vor, sie sind ganz locker, etwas aufgeplustert und schlackern hin und her. Blase deine Backen auf und lasse dann deine Mundlippen locker aufeinander flattern, wie ein Pferd. Entspanne obere und untere Lippen gleichzeitig. Gehe leicht breitbeinig und mit entspannten und etwas aufgeblähten Venuslippen durch den Tag, sooft du dran denkst. Beobachte was in dir passiert. Du wirst erstaunt sein!

Pflege von Vulva und Vagina

In der Praxis werde ich oft nach Pflegetipps für das weibliche Genital gefragt. Meist sind es Patientinnen, die empfindlich in diesem Bereich sind und regelmäßig von Reizungen und Infektionen berichten. Doch hier soll es zuerst um allgemeine Pflegetipps gehen.

  • Die Vagina muss nicht gewaschen werden. Sie reinigt sich von allein. Vaginalspülungen sind zur Pflege nicht notwendig. Ganz im Gegenteil, man kann dadurch die natürliche Schutzfunktion der Vaginalflora stören.
  • Die Vulva kannst du täglich mit einer milden Seife waschen. Mehr braucht es nicht. Hier ist weniger oft mehr. Wenn du das Bedürfnis hast dich öfter zu waschen, dann tue es nur mit Wasser.
  • Gerüche vorbeugen

Wenn du zu starker Geruchsbildung neigst, ohne, dass Infektionen vorliegen, dann kannst du dich ab und zu mit Apfelessigwasser waschen.  Fülle eine kleine Flasche mit Wasser auf und gib einem Schuss Apfelessig hinein. Setze dich auf die Toilettenschüssel und lass das Wasser über deine Vulva laufen, mit der anderen Hand wäscht du dich und verteilst das Wasser über dein äußeres Genital. Der Apfelessig reguliert die Bakterienflora und verbessert deshalb schlechte Gerüche. Das musst du jedoch nicht täglich tun.

  • Cremen und ölen

Du musst dich nicht eincremen oder einölen.  Es sei denn, du neigst zu Rissbildungen und Trockenheit. In diesem Fall kannst du es mit etwas Kokosöl versuchen, mit ein paar Tropfen D-Panthenol oder einer guten Vaginalcreme aus dem Bioladen.  Gute Produkte für die Vagina stellt die Markt Greiff Apotheke her. (Internet)

Scheidentrockenheit – Gleitmittel und Sex

Durch Hormonumstellungen kann es in den Wechseljahren zu Scheidentrockenheit kommen. Doch auch jüngere Frauen haben Probleme mit Scheidentrockenheit. Hier liegt ein Hormonmangel vor, der natürlich behandelt werden sollte.

Zu Scheidentrockenheit kommt es auch bei Sex ohne Lust. Frauen benötigen meist etwas länger, um in Fahrt zu kommen und Lust zu entwickeln. Das ist jedoch die Voraussetzung, damit die Scheide feucht wird. Dabei entsteht nicht nur Feuchtigkeit, sondern die Schleimhäute schwellen an und werden dicker. Das steigert die Lust und beugt Verletzungen und Reizungen vor.

Der weibliche Körper ist langsamer, aber dafür ausdauernder. Wenn es zu einem zu schnellen eindringen kommt, bevor die Frau bereit ist, dann ist die Vagina noch nicht feucht genug. Das  reizt die Vaginalschleimhäute und auf Dauer geht die Lust auf Sex verloren. Denn der schnelle Sex führt zu einer Überreizung und zu einem Verlust der Empfindsamkeit. Schnelles rein – raus ist für Frauen nur ein kurzzeitiger Genuss. Der Körper macht dicht! Das wiederum macht keinen Spaß und vermindert die Lust auf Sex. Deshalb lasst euch Zeit. Es gibt keinen Grund zur Eile.

Tipps bei Scheidentrockenheit

Bei Scheidentrockenheit empfehle ich die eigene Spucke und guten, langsamen Sex. Je häufiger du Sex hast umso feuchter und dicker werden die Vaginalschleimhäute. Das gilt besonders für Frauen in den Wechseljahren.  Ladies, häufiger Sex verhindert ein dünner werden und atrophieren der Vaginalschleimhäute. Also, ran an den Mann!

Siehe auch: Sexualität leben!

Wenn du ein Gleitgel brauchst, dann empfehle ich das von der Markt-Greif-Apotheke, Multi-Gyn Liqui Gel. (keine bezahlte Werbung). Was immer du nimmst, achte darauf, dass keine unnötige Chemie drin ist.

Öle finde ich für den Vaginalbereich nicht optimal. Sie beeinträchtigen die Empfindsamkeit und bei häufiger Anwendung besteht die Gefahr, dass sich anaerobe Bakterien besonders wohl fühlen und vermehren. Es ist okay, ab und zu fetthaltige Cremes oder Öle zu verwenden, weil sich die Vaginalschleimhäute schnell wieder regenerieren. Doch zu häufig angewendet kann es den normalen pH-Wert und die ideale Zusammensetzung der Vaginalflora beeinträchtigen.

Kondome und Tampons

Verwende nur Kondome und Tampons, die nicht chemisch behandelt sind, zum Beispiel aus dem Bioladen. Warum? Weil Chemie der Vagina nicht gut tut. Außerdem werden Giftstoffe schnell über die Schleimhäute in den Körper aufgenommen. Achte auf gute Qualität.

Probleme im Vaginalbereich

Wenn du eine Neigung zu vaginalen Infektionen hast, dann ist es wichtig die Ursache herauszufinden und dich ganzheitlich behandeln zu lassen. Lokale Maßnahmen helfen zwar oft, aber nur vorübergehend. Ist die Abwehrfunktion der Schleimhäute vermindert, dann hat das eine innere Ursache. Ein inneres Ungleichgewicht beeinträchtigt die Funktionsweise der Vaginalschleimhäute und öffnet Viren, Bakterien und Pilzen Tür und Tore.

Ursachen für Vaginalinfekte

  • Veränderte Hormonsituation.

Hormone haben einen direkten Einfluss auf Haut und Schleimhäute.

Bei Veränderungen im Hormonhaushalt treten gerne vermehrt Infekte auf. Zum Beispiel in der Schwangerschaft, in den Wechseljahren und bei Pilleneinnahme.

  • Schwaches Qi und Yang.

Wenn die Energie im Körper schwach wird, durch Krankheit, Überarbeitung oder falsche Ernährung, dann kann sich das auch durch Vaginalinfekte bemerkbar machen. Die Abwehrfunktion ist vermindert. Der Körper ist zu kalt und zu schwach, um die Eindringlinge in Schach zu halten.

  • Zu viel Feuchtigkeit im Körper.

In diesem Fall ist das Milieu der Schleimhäute ist für unerwünschte Mikroorganismen optimal. Das kann durch falsche Ernährung geschehen durch zu viel Zucker und Alkohol. Auch eine veränderte Hormonsituation, wie in der Schwangerschaft kann dazu führen, dass vermehrt Zucker in den Schleimhäuten eingelagert wird. Das haben Pilze und Bakterien besonders gerne.

  • Blut und Yin-Schwäche.

Hier ist die Substanz des Körpers nicht in Ordnung. Es kann ein Hormonmangel, ein Nährstoffmangel (z.B. Vit D, B, Magnesium, Eisen, Zink, Omega 3 Fettsäuren etc.)  und ein Mangel an Blut und Säften vorliegen.

Das tritt bei Mangelernährung auf und in der Menopause. Mangelernährung bedeutet nicht, dass man zu wenig Nahrung zu sich nimmt. Es kann ausreichend Nahrung vorhanden sein, aber es kann die falsche Nahrung sein oder der Körper kann sie nicht richtig aufnehmen und verwerten.

Dadurch werden die Schleimhäute nicht gut genährt und befeuchtet und können nicht richtig schützen. Auch hier kann es zu Vaginalinfektionen kommen. Allerdings treten hier bevorzugt virale Infekte, Reizungen und Entzündungen, ohne Beteiligung von Mikroorganismen auf. Das kann bis hin zu positiven pap werten  führen. Positive pap werte zeigen an, dass Entzündungen und Zellveränderungen am Muttermund vorliegen.

Pflege bei Neigung zu Vaginalinfekten, Trockenheit und Reizungen

  • Äußerlich Spülungen mit Apfelessigwasser

3-Eßl. Apfelessig in 300 ml Wasser. Apfelessig unterbindet schlechte Gerüche, verbessert den pH-Wert  und ist gut gegen Pilzinfektionen und Bakterien.

  • Lavendelöl

Bei Pilz- und Bakterien kann man einige Tropfen Lavendelöl auf einen Tampon tröpfeln und über Nacht einführen. Wenn die Vaginalschleimhäute sehr trocken sind, dann ist es besser das Lavendelöl in Kokosöl einzuarbeiten. (siehe Vaginalzäpfchen)

Lavendelöl ist das einzige ätherische Öl welches direkt auf die Haut, auf Schleimhäute und sogar auf verletzter Haut aufgetragen werden kann.

Wenn du zu Allergien neigst, dann prüfe, ob du Lavendelöl verträgst. Trage dazu ein paar Tropfen Lavendelöl auf das Handgelenk innen auf und  warte 30 Minuten ab. Beobachte, ob sich irgendwelche unerwünschten Reaktionen zeigen.

  • Selbstgemachte „Vaginalzäpfchen“ aus Kokosöl

Hierzu erwärme das Kokosöl leicht, meist genügt Zimmertemperatur. Dann lasse auf einem gekühlten Backpapier kleine Häufchen tropfen. Abkühlen lassen bzw. in den Kühlschrank stellen. Vom Backpapier abkratzen und die Häufchen rasch zu kugelähnlichen Gebilden formen. In ein gekühltes Schraubglas legen und im Kühlschrank aufbewahren. Vor dem Schlafengehen eine Kugel in die Vagina einführen. Benutze Slipeinlagen, weil es über Nacht ausläuft.

Kokosöl wirkt gegen Infektionen. Zur Verstärkung der Wirkung kann etwas Lavendelöl oder wenn du es verträgst Teebaumöl eingearbeitet werden. Bei Rissen, Reizungen, Verletzungen und Trockenheit füge ein paar Tropfen D-Panthenol hinzu.

  • Zinksalbe und B-Panthensalbe

Bei Verletzungen und Rissen im äußeren Genitalbereich kannst du eine fertige Zinksalbe oder B-Panthensalbe versuchen.

  • Vaginalcreme vom Bioladen

Bioturm hat eine recht gute neutrale Vaginalcreme (ohne Wirkstoffe). Sie eignet sich zur Pflege bei Neigung zu Trockenheit und Rissen.

  • Aloevera Gel

Bei starker Trockenheit direkt auftragen, einziehen lassen und anschließend eine neutrale Vaginalcreme darüber verwenden.

Weiterführende Informationen:

Infektionen im Genitalbereich

Chronische Scheidenpilzinfektionen

Scheideninfektionen und Juckreiz

Positive Pap Werte – was tun?

Darmpflege

Bei Neigung zu Vaginalinfekten auch an den Darm denken. Oftmals ist auch der Darm nicht ganz in Ordnung. Wenn das der Fall ist, dann sollte man sich auch um den Darm kümmern, sonst führt das zu einem Pingpongeffekt.

Folgende Symptome weisen auf eine gestörte Verdauungs- und Darmfunktion hin:

Aufstoßen, Sodbrennen, Müdigkeit nach dem Essen, Übelkeit und Erbrechen, Durchfälle und veränderter Stuhl. Stuhl zu weich, zu hart, zu trocken, zu dünn, schafskotartig, zu oft oder zu selten. Schleim oder Blut im Stuhl. Bauchkrämpfe, Reizdarm. Heißhungerattacken. Blähungen und Völlegefühl. Schnelle Sättigung.

Weiterführende Informationen findest du hier: Darmgesundheit

Yoni Talk – intime Gespräche

Hast du dich schon einmal mit deiner Yoni unterhalten? Nein? Dann wird es aber höchste Zeit. Der Körper hat ein eigenes Bewusstsein. Einen eigenen Seele/Geist Aspekt. Ferner ist unsere Seele verbunden mit unserem Körper, Teile unseres Bewusstseins sind damit verbunden und daran gebunden. Das ist der Grund warum es zu psychosomatischen Erkrankungen und Reaktionen kommt. Wenn du mehr über dich erfahren möchtest, dann sprich mit deinem Körper. Das klingt im ersten Moment vielleicht merkwürdig. Doch lass dich auf dieses Experiment ein. Betrachte es als verrücktes Spiel und sei neugierig.

Stelle dir vor dein Intimbereich ist ein eigenes Wesen, mit dem du sprechen und kommunizieren kannst. Lege eine Hand darauf und eine auf dein Herz. Entspanne dich und atme in deine Hände hinein. Nimm 15 tiefe und entspannte Atemzüge. Dann gehe in Verbindung mit deiner Yoni und frage sie wie es ihr geht, was sie sich wünscht, wie sie von dir behandelt werden möchte. Sei gespannt und lausche auf die Antworten. Lass dir Zeit.

Nimm einen Spiegel und betrachte sie im Spiegel. Jetzt wo du ein Bild von ihr hast. Sprich nochmal mit ihr und lass sie zu Wort kommen. Du wirst erstaunt sein wie frech, wie lustig und wie direkt deine Vulvagina ist.

Viel Spaß!

Hinweis:

  1. Ich ermutige Frauen Ihre Gesundheit in die eigene Hand zu nehmen. Dafür sind Wissen und gute Informationen wichtig. Bei gesundheitlichen Problemen, in diesem Fall bei möglichen Infektionen im Genitalbereich, möchte ich dich ermutigen eine FrauenärztIn aufzusuchen und das erstmal abklären zu machen. Auch in meiner Praxis möchte ich ärztlich abgeklärte PatientInnen, bevor ich behandle. Es ist gut zu wissen was ist, um nichts zu übersehen und nicht ins Blaue hinein zu therapieren.
  2. Keiner meiner Artikel enthält bezahlte Werbung. Wenn ich Produkte, Shops oder Apotheken erwähne dann nur, weil ich gute Erfahrungen damit gemacht habe.

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