Psychosomatik

Psychosomatische Erkrankungen

Psyche kommt aus dem Griechischen und bedeutet Seele, Hauch, Atem und Soma bedeutet Körper. Psychosmatische Erkrankungen wären demnach durch die Psyche und die Emotionen bedingte körperliche Erkrankungen und Beschwerden.

Bis vor Kurzem galten psychosomatische Erkrankungen als nicht ganz ernstzunehmen, da sie ja nur durch die Psyche bedingt sind. Doch die Kraft der Seele wird unterschätzt. Genaugenommen sind es die hartnäckigsten Erkrankungen und sie sind in unserer Gesellschaft sehr verbreitet. Wenn die Seele ein Ventil braucht, um sich zu zeigen und auf sich aufmerksam zu machen, dann wird sie sich das nicht so ohne weiteres wegnehmen lassen.

Die Behandlung von psychosomatischen Erkrankungen erfordern viel Geduld, Fingerspitzengefühl und die Bereitschaft des Patienten, ganz ehrlich mit sich zu sein und sehr mutig, denn oft wird es nötig sein, bis zu den Fundamenten zu gehen, um dort Veränderungen zu bewirken. Es ist auch zu überprüfen, welche Konsequenz das Ausbleiben des Symptoms oder der Erkrankung hätte. Wie wird sich das Leben verändern, wenn diese Krankheit nicht mehr besteht? Einiges wird mit Sicherheit besser, doch einiges wird auch schlechter. Hier muss man für sich selbst entscheiden, wie weit man gehen möchte und kann. Das herauszufinden ist Teil des Prozesses. Um weiter zu gehen, wird man die eigenen Stärken entdecken müssen, an sein Potential gehen, es hervorholen, alte seelische Wunden heilen und Frieden schließen. Erst dann kann sich der Weg öffnen, um die körperlichen Symptome zu kurieren.

Wie kann die chinesische Medizin helfen?

Gedanken, Glaubensmuster, negative Überzeugungen und unverarbeitete schwierige Erfahrungen bewirken negative emotionale Zustände. Diese wirken auf den Körper, indem sie zuerst seine Funktion beeinträchtigen. Das führt oft zu Symptomen und körpelichen Beschwerden, ohne dass im Labor oder durch klinische Untersuchungen etwas festzustellen ist. Wenn die Funktion des Körpers über längere Zeit gestört wird, entwickeln sich Schäden an der Substanz des Körpers. Das lässt sich durch Untersuchungen feststellen und die Symptome können oft medikamentös bekämpft werden, doch eine Behandlung der Krankheitsursache ist das nicht.

Mithilfe der chinesischen Medizin kann man versuchen, die Funktion des Körpers wieder in Ordnung zu bringen und die Beschwerden zu lindern, doch auch das wird in den meisten Fällen bestenfalls nur die Symptome lindern, aber nichts grundlegendes verändern. Es kann sogar passieren, dass wenn man die Funktion verbessert, die Seele Sturm läuft und die Beschwerden erstmal schlimmer werden, weil diese lediglich ein Ventil sind, wodurch sich die Seele zeigen möchte. Bei psychosomatischen Erkrankungen ist es deshalb wichtig, auch auf der seelischen Ebene zu arbeiten. Denn erst wenn die Ursache geklärt ist, lässt sich der Körper behandeln.

Dennoch ist es wichtig, parallel auch den Körper zu unterstützen. Manchmal sogar mit chemischen Mitteln, wenn es nicht anders geht.

In meiner Praxis arbeite ich deshalb mit psychotherapeutischen Methoden und parallel oder im Wechsel mit Akupunktur. Nach ein bis drei psychotherapeutischen Sitzungen braucht es Zeit, damit sich die neue Erfahrung setzen und integrieren kann. In dieser Phase appliziere ich Akupunktur, um auch den Körper zu unterstützen. Dann kann es wieder auf der psychischen Ebene weiter gehen. So tasten wir uns Stück für Stück und Schritt für Schritt voran.

Häufige psychosomatische Erkrankungen und Beschwerden

Psychosomatik aus der Sicht der chinesischen Medizin

Nach der Denkweise der chinesischen Medizin erfüllen Organe nicht nur eine materielle Aufgabe im Sinne von chemischen und physikalischen Vorgängen sondern sie haben auch eine energetische Funktion, indem sie das Qi, die Lebensenergie, in eine bestimmte Richtung bewegen.

Dadurch findet sowohl auf der substanziellen als auch auf der energetischen Ebene, Bewegung und Transformation statt. Sie sind gleichzeitig Träger emotionaler und geistiger Funktionen. Jedes Organsystem besitzt vielschichtige Aufgaben und hat einen eigenen Seele-Geist Aspekt.

So haben zum Beispiel die Nieren auf der stofflichen Ebene die Aufgabe Wasser umzuwandeln, und das Blut zu reinigen. Auf der funktionellen Ebene tragen sie unter Anderem das Lebensfeuer, mingmen, welches den Körper wärmt, alle Abläufe im Körper aufrechterhält und den Menschen aufrichtet. Sie beherbergen den Seele -Geistaspekt „Zhi“, dieser Seelenanteil wird mit Willenskraft, Standvermögen und Festigkeit in Verbindung gebracht.

Erkranken die Nieren, so können Probleme mit dem Wasserlassen oder Ödeme bestehen und gleichzeitig, Erschöpfung und Übergewicht. Auf der seelischen Ebene kann sich eine Nierendisharmonie als schwacher Wille, sexuelle Unlust, finanzielle Probleme, innere Erstarrung oder mangelndes Stand- und Durchhaltevermögen bemerkbar machen. Angst ist die der Niere zugeordnete Emotion. Eine Disharmonie kann sich durch übermäßige Angst oder ein nicht Wahrnehmen von Angst also durch Wagemut bemerkbar machen.

Die Leber und der Geist Hun

Die Leber hat die Aufgabe das Qi nach oben zu bringen und das Blut gleichmäßig zu verteilen. Sie hat eine enge Verbindung zum Uterus.

Die Leber reagiert emotional, sie steht für Kampf, Durchsetzung, Expansion, Fortschritt und Selbstverwirklichung. Fühlt sich der Mensch in seinem Ausdruck behindert, so stagniert das Qi und somit auch das Blut, es können unter Anderem Migräne, Verdauungsbeschwerden, hoher Blutdruck oder auch Menstruationsschmerzen bestehen und gleichzeitig Frustration, Reizbarkeit und Aggression.

Der Seelenaspekt der Leber ist das „Hun“, Hun ist das Fahrzeug mit dem unser Bewusstsein auf Reisen geht und unsere Seele als Gesamtes bereist. Sie steht in Kontakt und kommuniziert mit der gesamten seelischen Welt. Daraus erwachsen Visionen und Pläne. Das geschieht im Schlaf oder in einem sehr entspannten Zustand. Durch Träume gestörter Schlaf oder gar Alpträume weisen auf eine Disharmonie der Leber hin. Ebenso chaotische Emotionen, Streß und Anspannung.

Die Seele teilt sich durch Gefühle mit, können diese nicht integriert werden bzw. kann sich die Seele nicht ausdrücken, weil innere oder äußere Hindernisse bestehen, dann entsteht Anspannung, diese verhindert wiederum das klare Sehen. Die Leber hat sehr viel mit dem inneren und äußeren Sehen zu tun, mit Visionen und mit der Fähigkeit zu Planen und diese Pläne in die Tat umzusetzen. Stärkt man die Leber dann wird die Tat-, und Durchsetzungskraft gestärkt.

Wenn man die Leber harmonisiert, glätten sich wieder die Wogen der Gefühle. Andersherum verbessern sich durch die Behandlung von Menstruationsschmerzen auch emotionale Beschwerden wie Aggression, Reizbarkeit und Frustration. Wut ist die der Leber zugeordnete Emotion. Eine Disharmonie kann sich durch viel Wut oder die Unfähigkeit Wut zu empfinden und sie auszudrücken, zeigen.

Die Lunge und die Körperseele Po

Die Lunge wiederum hat die Aufgabe Sauerstoff aufzunehmen und das Blut damit anzureichern, sie steht in Kontakt zum Himmel und bringt uns Inspiration und das Bewusstsein der Zusammenhänge des Kosmos. Gleichzeitig beherbergt sie den Seelenanteil „Po“, dieser ist für die Aufrechterhaltung von Körperfunktionen und dem Körperbewusstsein zuständig. Sie ist die Kontaktstelle zwischen Kosmos und Körper.

Besteht eine Disharmonie der Lunge, so kann sich das durch Erkältungsanfälligkeit, Allergien und Lungenerkrankungen bemerkbar machen. Es kann aber auch ein Hang zur Melancholie, mangelnder Kontaktfähigkeit und Vereinsamung bestehen oder dem Gefühl nicht richtig im Körper zu sein und der Neigung sich überall anzustoßen, sowohl körperlich als auch im übertragenen Sinne. Der Mensch sieht in diesem Fall nicht den Sinn und den Wert der hinter den sichtbaren Manifestationen steht.

Trauer ist die der Lunge zugeordnete Emotion. Eine Disharmonie kann sich durch unangemessene Traurigkeit oder die Unfähigkeit Trauer zu empfinden zeigen.

Die Milz und der Geistaspekt Yi

Die Milz hat in der Chinesischen Medizin Verdauungsfunktion, und entspricht dem Pankreas und dem Dünndarm, sie nimmt den Nahrungsbrei auf, wandelt ihn um und hilft dabei den Körper zu nähren. Sie nimmt Dinge von Außen auf und macht etwas Eigenes daraus. Zur Milz gehört der Geistaspekt „Yi“.

Yi ist zuständig für die Denkfunktion. Alle Informationen, die von Außen auf uns einströmen werden über das Denken geordnet, verdaut und in das eigene System integriert. Eine Störung der Milzfunktion kann sich auf der körperlichen Ebene durch Verdauungsbeschwerden, Trägheit und Müdigkeit bemerkbar machen.

Auf der emotional/mentalen Ebene kann die Tendenz bestehen sich immer wieder im Kreis zu drehen nicht zu einem Ergebnis zu kommen, immer wieder an den gleichen Problemen zu knabbern ohne sie lösen zu können. Grübeln, kreisende Gedanken, Konzentrationsstörungen, schlechte Gewohnheiten, das Gefühl nicht voranzukommen und zu versumpfen gehören zur Milz. Ebenso die Tendenz sich unnötig Sorgen zu machen, hauptsächlich um sich selbst aber auch um seine Liebsten. Sorge ist die der Milz zugehörige Emotion.

Das Herz und der Geist Shen

Das Herz wird dem Feuerelement zugeordnet, und wird in der Chinesischen Medizin als der Kaiser bezeichnet, er herrscht ohne etwas zu Tun allein durch sein Dasein. Auf der körperlichen Ebene verteilt das Herz das Blut. Das Blut trägt alle Informationen in sich. Es steht in Verbindung mit unseren Genen, unseren Vorfahren, mit dem was wir aus allen gesammelten Eindrücken, Nahrung, Wasser, Strahlung gemacht haben und es steht in Verbindung mit der Atemluft also mit dem Außen und dem Universum. Das Herz verbindet all das. Die Aufgabe des Herzens ist es zu verbinden und zu kommunizieren.

Der Seelenaspekt des Herzens ist der „Shen“. Shen ist das was aus uns strahlt und die Welt erleuchtet. Shen ist unser inneres Licht. Eine Disharmonie auf der körperlichen Ebene macht sich durch Herzerkrankungen bemerkbar, durch Blutzirkulationsstörungen oder auch nicht organisch bedingten Herzschmerzen.

Auf der emotionalen/geistigen Ebene macht es sich durch einen unklaren Geist, Unruhe, Schlafstörungen, nicht zur Ruhe kommen und Kommunikationsproblemen bemerkbar. Probleme mit dem Sprechen, ein zuviel oder zuwenig. Sich nicht verbinden können mit anderen Menschen oder ein ständiges Suchen nach Verbindungen und Kommunikation. Nicht allein sein können.

Die dem Herzen zugeordnete Emotion ist die Freude. Mit Freude ist hier Exaltiertheit gemeint also ein Überschäumen. Außer sich sein vor Freude und Erregung zeigt eine Disharmonie des Herzens aber auch die Unfähigkeit Freude zu empfinden stellt eine Störung dar.

In der TCM sind Körper, Seele und Geist Eins

An diesen kurzen, einfachen Beispielen wird klar wie eng Organe ihre Funktion, emotionale und mentale Aspekte unseres Seins miteinander verknüpft sind.

Die Chinesen kennen keine Trennung von Körper, Geist und Seele so wie es bei uns im Westen üblich ist. Psychotherapien sind in China nicht üblich.

Emotionale Disharmonien, psychosomatische oder seelische Erkrankungen werden nicht getrennt, sondern zusammen mit dem Körper therapiert. Meistens bestehen neben emotionalen Problemen gleichzeitig körperliche Befindlichkeitsstörungen und umgekehrt.

Werden Erkrankungen mittels der chinesischen Medizin behandelt so verbessern sich der körperliche und energetische Zustand und automatisch auch die emotionale Situation, vorausgesetzt man verwendet die Akupunktur nicht symptomatisch sondern ganzheitlich. Ganzheitlich bedeutet die Teile einzeln, im Zusammenhang und EINS.

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