Harmonie und Balance

Yang Sheng – die Pflege des Lebens

Ein gesundes und langes Leben war im alten China etwas sehr Wichtiges. Viele Bemühungen und Ratschläge drehen sich um dieses Thema. Auch in der TCM geht es nicht vorrangig darum Krankheiten zu behandeln, sondern Krankheiten zu vermeiden. Die Ärzte des Kaisers im alten China wurden nur dann bezahlt solange der Kaiser gesund war. Wurde er krank, dann wurde das Honorar eingestellt, bis es ihm wieder gesund war. Es ging also vorrangig darum das Leben und die Gesundheit zu erhalten.

Yang bedeutet pflegen, ernähren und Sheng bedeutet Leben,  gebären, wachsen.

Die Kultivierung des Lebens in der heutigen Zeit

In unserer modernen Zivilisation geht es in erster Linie darum etwas zu reparieren. Es wird sehr viel Geld für schwere Erkrankungen, stark wirksame, toxische Medikamente und Apparaturen ausgegeben um solch schweren Erkrankungen zu behandeln. Darüber was man tun kann um sich selbst gesund zu erhalten wird jedoch wenig nachgedacht. Wir haben uns ein Medizinsystem aufgebaut, welches den Tod und das Schlimmste verhindert, doch wie wir das Leben pflegen und unsere Gesundheit fördern, darüber ist wenig bekannt. Für Prophylaxe und Gesunderhaltung bleibt weder Zeit noch Geld übrig.

Es ist der Geist unserer Zeit nach immer mehr, schneller, höher, weiter zu streben und in Exzessen zu leben. Die Medizin soll unserer Notanker sein, einspringen und reparieren was kaputtgegangen ist. Viele Menschen geben die Verantwortung ab und haben oft das Gefühl, der Doc wird es schon richtig. Das dem meist nicht so ist erleben sie, wenn es schon zu spät ist.

Ganz anders im alten China, dort galt es als Tugend und hohes Ziel das Leben durch Mäßigung zu erhalten. Langlebigkeit galt als hohes Ziel. Hierfür wurden Regeln und Verhaltensregeln aufgestellt und auch die TCM wurde danach ausgerichtet.

Oberstes Gebot war die Harmonie. Es ging darum alles zu tun um in seiner Mitte zu bleiben, also alle Exzesse und Übertreibungen zu vermeiden. Das mag für den modernen Menschen etwas langweilig anmuten, das ist es vielleicht auch, doch inzwischen haben auch westliche Psychologen herausgefunden, dass manchmal etwas Langeweile ganz gut tut.

Besonders in der heutigen Zeit mit den extrem hohen Anforderungen ist es wichtig das Augenmerk auf die Kultivierung des Lebens zu richten und auf die Gesunderhaltung. Die innere Ausgeglichenheit zu finden und in der eigenen Mitte zu ruhen ist in der modernen Welt besonders wichtig.

Die Essenz des Lebens

In der TCM geht man davon aus, dass jeder Mensch eine Essenz mit ins Leben bringt. Eine Art Kraft, die man auch als Grundkonstitution bezeichnen kann. Jeder Mensch hat mehr oder weniger davon. Das hängt mit erblichen Faktoren zusammen und vom Gesundheitszustand der Eltern zum Zeitpunkt der Zeugung. Ist diese Essenz erschöpft, dann stirbt der Mensch. Diese Essenz zu erhalten und nicht vorschnell zu erschöpfen ist in der TCM oberstes Gebot. Denn es gibt keine Möglichkeit sie zu vermehren, außer durch spezielle geheime Qigong Übungen. Aus diesem Grund spielt Qi Gong in der Lebenspflege eine besondere Rolle.

Regeln für ein langes und gesundes Leben

Wenn wir an gesundes Leben denken, dann denken wir in erster Linie an gesunde Ernährung, Sport und Ruhepausen. Im alten China gehörte jedoch viel mehr dazu, nämlich auch geistige und emotionale Aspekte. Ferner eine gesunde Umwelt und ein harmonisches Miteinander.

Mäßigung

Mäßigung, das Vermeiden von Extremen ist ein ganz wichtiger Grundsatz der chinesischen Medizin, um seine Gesundheit zu erhalten.

Ernährung

Eine gesunde und ausgewogene Ernährung, nach den Prinzipien der TCM und der eigenen Konstitution entsprechend ist besonders wichtig. Auf keinen Fall soll man zu viel oder zu wenig essen, auch einseitige Ernährung ist nicht förderlich. Die Nahrung sollte vielfältig alle 5 Geschmacksrichtungen enthalten und den Jahreszeiten angepasst sein.

Bewegung

Weder zu viel Ruhen und Faulenzen noch zu viel exzessiver Sport ist förderlich. Regelmäßige und ausdauernde Bewegung ohne sich zu erschöpfen, wird empfohlen um gesund zu bleiben und lange zu leben.

Im Neijing, das Buch des gelben Kaisers, welche Organe durch zuviel oder zuwenig Bewegung geschädigt werden. Das Neijing suwen ist ein Buch in den Grundprinzipien der TCM beschrieben werden.

Demnach schädigt zu viel Bewegung und zu viel Gehen Muskeln und Sehnen, also die Leber. Zu viel Liegen, schädigt die Lunge. Langes Stehen schädigt Knochen und die Nieren. Zu viel Sitzen schädigt die Verdauung und die Milz. Zuviel Sehen, also lesen, studieren schädigt das Blut und Herz.

Arbeit

Faulenzen ist nicht angesagt, jedoch auch zu viel und zu exzessives Arbeiten soll vermieden werden. Genügend Ruhepausen und das Vermeiden von Stress, Zeitdruck und Aufregung sind sehr wichtig.

Sexualität und Schwangerschaften

Ejakulation verbraucht bei Männern die Essenz, während Schwangerschaften und exzessive Blutungen die Essenz von Frauen verbraucht.

Männer sollten ihrem Alter entsprechend ejakulieren. Jüngere Männer öfter und je älter ein Mann wird umso weniger. Dabei geht es nicht um die Ausübung der Sexualität, sondern um die Ejakulation an sich. Dem Zurückhalten des Samens wird viel Aufmerksamkeit gewidmet.

Frauen hingegen sollten zu viele Schwangerschaften und Geburten vermeiden. Exzessive gynäkologische Blutungen schädigen die Essenz von Frauen, deshalb sollten diese behandelt werden.

Harmonie

Harmonie und Ausgeglichenheit ist ein weiterer wichtiger Grundsatz, der das Leben fördert.

Harmonie in der Gesellschaft

In Harmonie und Frieden mit seinem Umfeld zu leben ist sehr wichtig. Es gilt ein gutes Miteinander zu pflegen, Streit, Auseinandersetzungen, Missgunst und Konkurrenzdenken zu vermeiden.

In Frieden mit der Gesellschaft, in der Familie und mit seinen Menschen zu leben ist eine gute Voraussetzung für ein glückliches und gesundes Leben

Harmonie mit der Natur

Die Natur als Mutter des Lebens zu betrachten und in Einklang mit ihr zu leben, sie nicht auszubeuten, sondern sie zu schützen und zu bewahren ist etwas sehr Wesentliches, um auch das menschliche Leben zu fördern und zu erhalten.

Wenn man sich das heutige China anschaut, scheint davon nicht viel übrig geblieben zu sein. Zwischen dem alten China und dem heutigen China steht jedoch die Kulturrevolution und die hat keinen geringen Schaden angerichtet.

Doch im alten China wurde sogar empfohlen im Einklang mit den Jahreszeiten zu leben und sich der Natur und den klimatischen Bedingungen anzupassen.

Im Einklang mit den Jahreszeiten leben

Im Frühjahr ist es Zeit in Bewegung zu kommen, früh aufzustehen, sich körperlich zu betätigen. Neue Projekte zu starten und kreativ zu sein ist im Frühling besonders gut. Das Leben zu erwecken und dabei sich selbst und anderen Gegenüber wohlwollend zu sein, also nicht in Kämpfe und Konkurrenzdenken zu verfallen.

Der Sommer ist die Zeit der Entfaltung und der Freude. Es ist die Zeit sich am Leben zu erfreuen, am besten in Gesellschaft. Die Schönheit und die Fülle des Lebens zuzulassen und zu genießen und seinen Geist auszudehnen, dafür ist im Sommer der richtige Zeitpunkt. Es gilt Beschränkungen hinter sich zu lassen.

Der Herbst ist die Zeit des Loslassens und des Sammelns. Es wird wieder Zeit nach innen zu gehen und sich auf sich und das Wesentliche zu beschränken. Zu erkennen was wichtig ist und was darf gehen. Es ist die richtige Zeit für innere und äußere Entmüllung und für Hausputz.

Der Winter ist die Zeit der Ruhe und der Stille. Das Licht wird weniger und die Aktivitäten sollen heruntergefahren werden. Es ist die Zeit der Regeneration und der Meditation. Man konzentriert seine körperlichen und geistigen Kräfte. Träume, Visionen und Pläne für den kommenden Frühling haben hier ihren Platz.

Harmonisches Umfeld

Ein schönes und ausgewogenes Umfeld, saubere Luft, sauberes Wasser und ein ästhetisches, aufgeräumtes, harmonisches Zuhause ist wichtig um sich wohlzufühlen. So kann das eigene Qi gut zirkulieren kann.

Den Geist kultivieren

Gedanken können das Leben erheben und fördern oder auch toxisch und zerstörerisch wirken. Deshalb ist es von essentieller Bedeutung den Geist zu kultivieren. Schlechte Gedanken zu bemerken, zu entfernen und Tugenden zu entwickeln. Dabei gilt es Gier, Habsucht, Missmut, Arroganz, Eifersucht, Bösartigkeit, Kritiksucht und Rachegedanken aus dem eigenen Geist zu entfernen. Stattdessen den Zustand der Gelassenheit und der geistigen Ruhe und Ausgeglichenheit zu pflegen.

Schlechte Gedanken vergiften nicht nur die Atmosphäre, sondern schaden auch dem eigenen Körper und das eigene Leben. Sie wirken auf alles, in und um uns, toxisch.

Die Emotionen ausgleichen

Angst, Wut, Trauer, Sorgen und exzessive Freude (Exaltiertheit und außer sich sein) gehören in der chinesischen Medizin zu den fünf Grundemotionen. In der TCM wird genau beschrieben welche Art von Qi diese Emotionen beinhalten und welche negativen Auswirkungen sie auf das Qi des Körpers haben.

Emotionen sind etwas Natürliches, was automatisch entsteht. Sie müssen sogar vorhanden sein. Ein Mensch, der keine angemessenen Emotionen entwickeln und ausdrücken kann hat irgendeine Störung. Wenn eine traurige Situation vorherrscht, beispielsweise der Tod eines geliebten Menschen, dann ist Trauer eine angemessene Emotion und das Ausdrücken der Trauer durch Weinen, eine angemessene Reaktion. Ist der Mensch dazu nicht in der Lage, oder reagiert gar mit Lachen, dann zeigt es, dass irgendetwas nicht stimmt.

Emotionen sind normal und sollten angemessen ausgedrückt werden. Wenn sie jedoch im Übermaß vorhanden sind oder unangemessen sind, dann zeigt es zum einen eine Störung und zum anderen schädigt es noch mehr das eigene Qi und folglich auch den Körper.

Deshalb sind ausgeglichene Emotionen nicht nur für das eigene Wohlbefinden von Bedeutung, sondern auch für die Gesundheit und ein langes Leben.

Grundsätzliches:

Um das Leben zu fördern und zu pflegen braucht es Aufmerksamkeit und Bewusstheit. Es ist gut alles in Anspruch zu nehmen was man gerade braucht um das, was aus dem Lot geraten ist, wieder in die Harmonie zu bringen.

Dazu gehört eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung, Sport, aber auch Yoga, Qi Gong, Tai-Chi etc. Ferner Methoden die den Geist schulen, wie Meditation, Aufmerksamkeitstraining und eine spirituelle Ausbildung und Entwicklung. Dinge, die helfen die eigenen Emotionen wieder ins Lot zu bringen beispielsweise psychotherapeutische Maßnahmen. Gesundheitsfördernde Mittel, die den Körper unterstützen wie Akupunktur, Naturheilkunde etc. Regelmäßige Aufenthalte in der Natur.

Alle Mittel und Einsichten, die helfen eine Balance zwischen Körper, Seele, Geist und Umwelt herzustellen sind gut.

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