Die Welt der TCM

Konzepte der TCM – Diagnosefindung und Therapie

Die TCM ist ein altes überliefertes System welches sich verschiedener Konzepte bedient um zu einer Diagnose zu kommen. Daraus ergibt sich die Behandlungsstrategie und die Behandlung mit Akupunktur und weiteren Anwendungen der TCM. Es ist ein sehr komplexes System, wobei mehrere Konzepte ineinandergreifen. Zentrales Thema in der TCM ist das Qi. Eine Art Lebenskraft um die sich alles dreht. Dieses Qi ernährt und erhält den Körper in seiner Funktion. Um das Qi zu erklären und die Funktion zu verstehen bedient sich die TCM verschiedener Konzepte.

Vorab, für Eilige, einige weiterführende Informationen über Akutpunktur und TCM:

Im Folgenden finden Sie einen kleinen Überblick über wichtige Begriffe aus der TCM. Es ist nur ein kleiner Ausschnitt aus der Welt der TCM. Es soll interesierten Laien die TCM veranschaulichen und einen Eindruck geben. Denn TCM ist mehr als in ein paar Wochenenden ein paar Akupunkturpunkte zu lernen, sondern es ist beeinhaltet eine umfassende Theorie über Vorgänge im menschlichen Körper und deren Wechselwirkungen im Organismus und mit der Umwelt. Es beschreibt auch, wie der Mensch eingebettet ist zwischen Himmel und Erde und wie das auch ganz konkrete körperliche Vorgänge beeinflußt.

Inhalt und Übersicht:

Physiologie

Yin und Yang

Die drei Grundsubstanzen, Qi, Blut, Jinye

Die drei Schätze. Qi, Shen und Jing

Die drei Erwärmer

Zanf Fu, die Organfunktion

Zang Fu, Beziehungen

Pathologie und Diagnose

Diagnose nach TCM

Yin und Yang sind Polaritäten. Yin ist schwer, dicht, kalt, trüb und dunkel. Yang ist leicht, fein, klar, warm und hell. Substanzen, Flüssigkeiten, Blut, Knochen, Gewebe sind Yin. Energie, Emotionen, Gedanken, Gefühle, Bewegung sind Yang.

Alles was existiert lässt sich in Yin und Yang einordnen, aber immer nur relativ zueinander. Beispielsweise sind Blut und Knochen Yin. Wenn man sie jedoch in Beziehung zueinander setzt, dann ist Blut Yang und Knochen Yin, weil Knochen fester, dichter, schwerer sind als Blut.

  • Yin wandelt sich in Yang und Yang wandelt sich in Yin.
  • Es gibt kein Yin ohne Yang und kein Yin ohne Yang.
  • Yin und Yang sind Qi.

Das Konzept von Yin und Yang dient in der TCM zur Diagnose und Therapie und die es findet sich in allen nachfolgenden Konzepten wieder. Yin und Yang sind eigentlich keine Kräfte, sondern Polaritäten. Da wir in der Dualität leben, lässt sich alles in Yin und Yang trennen, aber zusammen ergibt es immer Qi und das ist die Wirkkraft aller Phänomene.

Qi, Blut und Jin-Ye sind Aspekte die sowohl feinstofflich, als auch sehr konkret und materiell sind. Das ist für den westlichen Menschen schwer zu begreifen, doch in der TCM ist das kein Widerspruch.

  • Qi

Qi ein schwer zu übersetzender Begriff. Es wird als Energie übersetzt. Es ist die Kraft, aus der alles besteht. Sie kann sehr fein sein oder so dicht, dass sie materiell wird. Alles was existiert, wirkt und wahrnehmbar ist, ist Qi.

Im menschlichen Körper werden unterschiedliche Aspekte des Qi identifiziert und ihre Entstehung und Funktion beschrieben.

  • Da Qi ist das Atem Qi, fein und leicht, das Qi welches unmittelbar durch das Atmen entsteht
  • Gu Qi ist dick und trüb und nahrhaft, es kommt aus der Nahrung
  • Yuan Qi ist eine Art Feuerfunkte und kommt aus dem Mingmen, aus dem Feuer der Vitalität

Aus diesen drei Qi Arten entsteht funktionsfähiges Qi:

Zong Qi > Qi aus Herz und Lunge, es ist fein und belebend

Ying Qi > Qi aus Milz und Nahrung, es ist feucht und nährend

Yang Qi > Qi aus Niere ist warm und bewegend

Daraus entstehen in unterschiedlicher Zusammensetzung Qi welche konkrete Funtkionen erfüllen.

  • Das Jing Mai Qi ist fein, fließt in Leitbahnen und Gefäßen, ermöglicht Austausch, Bewegung und Transport. Es ist das Qi welches wir in erster Linie über die Akupunkturpunkte mit den Akupunkturnadeln ansprechen.
  • Das Zang Fu Qi   Versorgt Organe und ermöglicht ihre Funktion, es ermöglicht Wandlung und Transport. Jedes Organ hat sein eigenes charakteristisches Qi und erfüllt spezifische Funktionen.
  • Das Yang Qi ist warm, hat seinen Ursprung in der Niere. Befindet sich überall im Körper und ist an allen Stoffwechselprozessen des Körpers beteiligt. Es wärmt, bewegt und transformiert.
  • Das Wei Qi ist das wärmste und am schnellsten bewegte Qi. Es ist nicht an einen Ort gebunden, wie zum Beispiel das Leitbahn-Qi oder das Organ Qi. Das Wei Qi kann überall sein, aber es befindet sich vor allem im Außen. An der Haut und den inneren Oberflächen, den Schleimhäuten. Es hat Abwehr- und Schutzfunktion und ist Bestandteil des Immunsystems.
  • Blut

Blut ist in der chinesischen Medizin weit mehr als wir darunter verstehen. Es fließt nicht nur in den Blutgefäßen, sondern auch in den Meridianen und ist eng mit dem Qi verbunden.

Es hat die Aufgabe Gewebe zu befeuchten und zu ernähren und durch seine kühlende und befeuchtende Eigenschaft den geschmeidigen Qi Fluss zu gewährleisten. Es ernährt den gesamten Körper in dem es alle Substanzen in sich trägt. Es nährt die Augen und die Sehnen, die Gelenke, Muskeln und Gewebe.

Das Blut speist sich aus zwei Quellen produziert. Aus dem Gu Qi der Nahrung, also dem sogenannten Nach Himmels Qi und dem Jing der Niere, dem Vorhimmels Qi. Das entspricht dem Rückenmark.

Gebildet, also zusammengefügt wird es im Herzen durch das Shen, den Geist. Deshalb ist das Blut nicht nur eine materielle Substanz, sondern trägt die Erfahrung des Vorhimmel Qi, also unserer Vorfahren, die Substanzen und Energie aus der Nahrung und ist Gleichzeitig Träger des Bewusstseins, denn es wird ja im Herzen gebildet mithilfe des Shen.

  • Jin Ye

Jin Ye sind ist die wässrigen Anteile unseres Körpers und der Gewebe. Die flüssigen Anteile, aber auch die trüben und klebrigen. Dazu zählen das Wasser des Körpers, die Lymphe, die nährenden Flüssigkeiten, die von Drüsen ausgesondert werden und befeuchten und nähren. Die Flüssigkeiten der Gelenke, der Gewebe und der Faszien, Sehnen und Muskeln, des Rückenmarks, aber auch Tränen, Nasensekret, Urin und Schweiß.

Sie stehen im engen Zusammenhang zum Blut und zum Qi. Das Qi bewegt die Flüssigkeiten und das Blut tauscht sich mit den Flüssigkeiten aus. Blut und Flüssigkeiten helfen sich gegenseitig und gleichen sich aus.

  • Qi

Alles ist Qi, denn alles was existiert hat eine Wirkkraft, auch dann, wenn wir sie nicht unmittelbar erkennen können. Im menschlichen Körper und in der TCM wird Qi nochmals anders definiert. Es ist die Organfunktion und die Lebenskraft, die im Körper pulsiert und alle Prozesse ermöglicht. Qi bewegt, transportiert, öffnet, schließt, transformiert, belebt, erzeugt wiederum Qi, ernährt und befeuchtet. Qi ist überall. In diesem Drei-Konzept gehört es zur Mitte, und zum Menschen.

  • Shen

Shen wird mit Spirit, Geist oder Bewusstsein übersetzt. Es wird oben, dem Herzen und dem Himmel zugeordnet. Shen hat eine ausstrahlende Kraft und durchdringt alles. Genaugenommen kann Shen nur wahrgenommen werden, wenn es sich in Qi manifestiert hat. Es kann sich nur als Qi zeigen. Doch ohne Shen kann kein Qi entstehen. Diese drei Schätze. Qi, Shen und Jing gehören im menschlichen Körper und im Leben untrennbar zusammen.

  • Jing

Jing wird oft als Essenz übersetzt. Es ist etwas wertvolles, konzentriertes, indem alle Informationen, die einen Menschen ausmachen gespeichert sind. Gene gehören zum Beispiel zum Jing. Doch darüber hinaus sind auch seelische Aspekte dem Jing zuzuordnen. Alle Erinnerungen aus diesem und vergangenen Leben sind hier gespeichert. Das Qi welches hieraus entsteht wird deshalb auch als vorgeburtliches Qi bezeichnet.

Die Lebenskraft, unsere Konstitution, das Qi welches wir tagtäglich zur Verfügung haben und welches unseren Körper erhält, formt wird aus diesen drei Schätzen gebildet. Aber auch unsere Art zu fühlen und zu denken wird davon beeinflusst.

Die drei Erwärmer oder drei Brenner sind eng verknüpft mit den drei Schätzen. Das Konzept der drei Erwärmer wird in der TCM oft verwendet.

  • Zum oberen Erwärmer gehört alles was oberhalb des Zwerchfells ist. Herz und Lunge spielen hier eine große Rolle.
  • Zum mittleren Erwärmer zählt alle was zwischen Bauchnabel und Zwerchfell liegt. In erster Linie die Verdauungsorgane, einschließlich die Leber.
  • Zum unteren Erwärmer zählen alle Organe und Funktionen, die unterhalb des Nabels stattfinden. Dazu zählen die Fortpflanzungsorgane und alle Ausscheidungsfunktionen.

Die drei Erwärmer haben wie der Name schon sagt etwas mit dem Feuer zu tun. In der TCM geht man davon aus, dass es im Menschen drei Feuerquellen gibt. Das obere Feuer. Dieses ist eng mit dem Herzen und dem Shen, dem Bewusstsein verbunden. Das mittlere Feuer ist mit der Verdauung, Umwandlungsfunktion und Qi Gewinnung aus der Nahrung verbunden. Das untere Feuer, das Ming Men wird auch als Tor der Vitalität bezeichnet und ist die initiierende Kraft, welche aus unseren vorgeburtlichen Quellen stammt. Mithilfe des Mingmen entsteht aus dem Jing, der Essenz, den Genen und unseren vorgeburtlichen Aspekten ein Funke. Das sogenannte Yuan Qi. Dieser Funke sorgt dafür, dass alle Stoffwechselprozesse im Körper stattfinden können und Qi entstehen kann.

Damit das Mingmen aktiv wird braucht es das Shen und den oberen Erwärmer. Das Bewusstsein aktiviert dieses Urfeuer und daraus entsteht Qi, unsere Lebens- und Wirkkraft hier auf der Erde.

In die TCM nehmen die Zang Fu, Organe eine zentrale Rolle ein. Jedes Organ besitzt ein eigenes Qi, welches die Funktion aufrechterhält. Aus dieser Funktion entsteht wiederum Qi, Bewegung und Transformation welche den gesamten Körper und das menschliche Leben erhält.

  • Zang

Als Zang werden in der TCM die Speicherorgane bezeichnet. Das sind oft feste, dichte Organe, die etwas bewahren und speichern. Sie gelten auch als Yin Organe. Dazu zählen beispielsweise Niere, Milz/Pankreas, Leber, Herz, Lunge.

  • Fu

Zu den Fu gehören alle Hohlorgane. Diese werden dem Yang zugeordnet. Dazu zählen, Magen, Darm, Sanjiao oder Dreifacher Erwärmer, Blase.

Es gib noch Organe mit Sonderstellung, die sogenannten außerordentlichen Organe. Sie sind zwar hohl, aber sie speichern oder bewahren dennoch etwas. Dazu zählen beispielsweise der Uterus, die Knochen und das Mark, das Gehirn, die Gallenblase und die Blutgefäße.

Hier eine kleine Übersicht über Funktion und Aufgabe der Organe in der TCM. Ohne Gewähr auf Richtigkeit oder gar Anspruch auf Vollständigkeit.

Niere
  • speichert Jing Essenzen (vorgeburtlich/nachgeburtlich)

(Essenzen sind alle Substanzen, die für uns wichtig sind und aus der Nahrung gewonnen werden, oder schon vorhanden sind, zum Beispiel die Gene, Gedanken, Erfahrungen.)

  • Wurzel des frühen Himmels (vorgeburtliche Informationen)
  • regelt Fortpflanzung, Wachstum, Geburt
  • produziert Mark und Gehirn (gesamtes Nervensystem…)
  • regiert die Knochen
  • beherrscht das Wasser (Aufnahme, Umwandlung, Verdampfung)
  • regelt die Ausscheidung des Wassers
  • kontrolliert die unteren Körperöffnungen (dichtet ab/versiegelt)
  • nimmt Qi auf
  •  Ort des Mingmen, Feuer der Vitalität
  • Quelle des Yuan Qi aus Jing und Mingmen
  • öffnet sich in den Ohren
  • manifestiert sich im Körperhaar
Leber
  •  reguliert den freien Qi Fluss und die Ausdehnung
  • bewegt von unten nach oben und außen > Mingmen, Qi, Blut, Jing, Wasser, Emotionen, Gedanken, Shen
  • ermöglicht den Qi Mechanismus aller Organe
  • bewegt Milz und Magen (Verdaungsfunktion)
  • speichert Blut
  • beherrscht Sehnen und Muskelkontraktion (Druck und Kraft)
  • verteilt Yuan Qi (Feuerfunke)
  • öffnet sich in den Augen
  • manifestiert sich in den Nägeln
Herz
  •  beherrscht das Blut (bewegt das Blut = bringt es hervor)
  • kontrolliert die Blutgefäße
  • hält das Herrscherfeuer, Feuer des Herzens, Shen
  • beherbergt den Shen
  • manifestiert sich im Gesicht
  • öffnet sich in der Zunge
Milz
  •  Ist für Umwandlung (Transformation) von Nahrung (Verdauung)
  • Trennung von reinen und unreinen Anteilen
  • Assimilation von Essenzen
  • Transport der feinen Anteile (Gu Qi) zur Lunge > Ying Qi
  • hebt Qi nach oben
  • aus der Milz- und Verdauungsfunktion entsteht Ying Qi > verschiedene Arten von Qi und Substanzen, nahrhaftes, befeuchtendes Qi aus der Nahrung > Basis für Alles. Bringt die zehntausend Dinge hervor.
  • Wurzel des späten Himmels

(das Qi aus der Mitte und der Verdauung zählt zu dem Nachhimmels Qi, im Gegensatz zum vorgeburtlichem Qi welches aus der Niere und dem unteren Erwärmer entsteht)

  • öffnet sich im Mund
  • manifestiert sich in den Lippen, befeuchtet die Lippen
Lunge
  •  beherrscht die Atmung (nimmt kosmisches Qi auf und führt es nach unten)
  • beherrscht das Qi
  • Durch die Atemfunktion wird das gesamte Qi im Körper bewegt und beeinflusst.
  • Deshalb: Wurzel des Qi
  • ist maßgeblich an der Bildung vom Zong Qi beteiligt = Meer des Qi (besteht aus Da Qi (Lunge/oben), Ying Qi (Milz/Mitte), Wei Qi (Niere/unten)
  • senkt Qi nach unten ab, dadurch auch die Flüssigkeiten
  • hilft anderen Organen beim Absenken (Magen/Dickdarm)
  • beherrscht die Oberfläche, verteilt Wei Qi und Ying Qi, Abwehrfunktion
  • ist das zarte Organ, weit außen, am wenigsten Yang, empfindlich auf äußere Einflüsse
  • reguliert die Wasserwege
  • Der reine Anteil der Flüssigkeiten befeuchten Haut, Gewebe und Zang Fu, der unreine Anteil wird zur Niere abgesenkt und schließlich ausgeschieden.
  • öffnet sich in der Nase
Pericard
  • beschützt das Herz, vor äußeren Pathogenen
  • steht in Verbindung mit dem Sanjiao (Dreifacher Erwärmer) und dem Mingmen (Feuer der Vitalität)
  • Hat einen Bezug zum Unbewussten, und zu vergangenen Erfahrungen, (emotionales Gedächtnis) schützt das Herz vor äußeren Einflüssen emotionaler Art in dem es sich schließt und neue Erfahrungen verhindert.
  • steht mit dem Uterus in Verbindung
Blase
  • nimmt trübe Flüssigkeiten aus Niere und Dünndarm auf
  • scheidet trübe Flüssigkeiten aus
  • verdampft die reinen Flüssigkeiten mithilfe des Yang Qi (Feuer) wieder nach oben
Gallenblase
  • besonderes Fu (Hohlorgan mit Speicherfuntkion)
  • speichert Essenz (Galleflüssigkeit)
  • bewegt das Leber Qi
  • entscheidet, dirigiert das Yuan Qi
Sanjiao (Dreifacher Erwärmer)
  • hat Funktion aber keine Form, (es gibt kein Organ welches man im Körper finden kann)
  1. oberer Erwärmer (über Zwerchfell)
  2. mittlerer Erwärmer (zwischen Zwerchfell und Nabel)
  3. unterer Erwärme (unterhalb des Nabels)
  • bildet die Wasserwege
  • der Sanjiao enthält das Feuer, und ist an der Bewegung des Yuan Qi (Feuerfunke, initiative Kraft) im Körper zuständig. Dadurch ist er an der Bewegung des Wassers beteiligt. Wasser kann nur mithilfe von Feuer bewegt und transformiert/verdampft werden.
Dünndarm

nimmt Flüssigkeiten von Milz/Magen auf

trennt klares und trübes = unterscheidet

klare Flüssigkeiten gehen zum Dickdarm, unklare direkt zur Blase

Magen
  • nimmt Nahrung auf
  • fermentiert Nahrung
  • ist voll mit Qi, Blut und Feuer (Der Magen hat viel Qi und Feuer, weil er mit grober Nahrung und viel Substanz umgehen muss. Gleichzeitig ist er voll mit Blut, er braucht viel befeuchtende und nährende Qualität um das Feuer auszugleichen und um nicht selbst davon angegriffen zu werden)
Dickdarm
  • nimmt unreinen Anteile der Milz auf, scheidet aus
  • resorbiert klare Flüssigkeiten bringt sie über Blut zur Niere, dort werden sie weiter verdampft und genutzt oder über die Blase ausgeschieden.

Die Funktionskreise

Nach dem Verständnis der TCM arbeiten Yin und Yang Organe als Paare zusammen. Sie bilden eine Einheit. Diese werden als Funktionskreise bezeichnet. Yin und Yang wirken zusammen und können nur zusammen eine Aufgabe erfüllen. Diese Paare sind Milz/Magen, Leber/Gallenblase, Lunge/Dickdarm, Niere/Blase, Herz/Dünndarm.

In der Praxis verwendet man einfachheitshalber nur den Namen der Zang Organe, weil die Zang (Yin Organe), den wichtigeren Part haben. Man spricht zum Beispiel von der Leber, obwohl man den Funktionskreis Leber meint und hier gehört die Gallenblasefunktion selbstverständlich dazu.

Wichtig zu erwähnen ist, dass wenn man in der TCM von Funktionskreisen und Organfunktionen spricht nicht vom westlichen Verständnis der Organfunktionen ausgeht. Die TCM beschreibt mit den Funktionskreisen weit mehr als die Funktion der Organe im westlichen schulmedizinischen Sinne.

Die Funktionskreise und die fünf Wandlungsphasen oder fünf Elemente.

Die Organpaare werden einem Element oder einer Wandlungsphase zugeordnet.

  • Funktionskreis Holz = Leber und Gallenblase
  • Funktionskreis Feuer = Herz und Dünndarm, Dreifacher Erwärmer und Pericard
  • Funktionskreis Erde = Milz und Magen
  • Funktionskreis Metall = Lunge und Dickdarm
  • Funktionskreis Wasser = Niere und Blase

Die Organe haben vielfältige Funktion, doch sie arbeiten nicht alleine. Sie stehen untereinander in Verbindung und können nur zusammen die komplexen Aufgaben bewältigen, die es braucht, damit der menschliche Körper funktionieren kann.

Hier ein kleiner Auszug über die Beziehungen und die Zusammenarbeit der Organe untereinander:

Niere und Leber
  • Niere speichert Jing, Leber speichert Blut
  • Blut wird gebildet aus dem Wasser und dem Jing
  • Leber bewegt Blut, Menstruation, und fördert Fortpflanzungsfunktion der Niere
  • Leber bringt Mingmenfeuer nach oben
  • Mingmenfeuer wärmt Leberblut und ermöglicht Bewegung
Niere und Herz
  • bilden die Feuer-Wasser Achse
  • Herz aktiviert Mingmen über das Herrscherfeuer
  • Niere verdampft Flüssigkeiten nach oben und kühlt Herz
  • Herz verteilt Blut
  • Blut kühlt das Herz und ist der Wohnsitz des Shen (Geist/Bewusstsein)
Niere und Milz
  • Niere ist die Quelle des vorgeburtlichen Qi, Milz die Quelle des nachgeburtlichen Qi
  • Milz ergänzt Essenzen der Niere, Niere ergänzt Milz
  • Niere unterstützt Milz bei ihrer Funktion durch Yang
  • Milz bildet Ying Qi daraus entstehen unter Anderem das Wasser und die Flüssigkeiten welche zur Niere fließen
Niere und Lunge
  • Niere regiert das Wasser, Lunge regiert das Qi
  • Lunge senkt Qi und damit das Wasser zur Niere ab
  • Niere nimmt Qi und Wasser auf und verdampft das Wasser nach oben, dadurch wird wieder die Lunge befeuchtet
  • Lunge verteilt die Flüssigkeiten überallhin und befeuchtet den gesamten Körper und die Haut
Leber und Herz
  • Leber speichert das Blut und bringt das Blut zum Herzen
  • Herz bewegt das Blut, aber auch Leber bewegt das Blut. Herz das arterielle und Leber das venöse Blut.
  • Herz bildet das Blut welches in der Leber gespeichert wird und durch sie bewegt wird
  • Leber dehnt sich aus, Herz strahlt
  • Leber bewegt das Qi harmonisch im gesamten Körper, die Herzfunktion ist vom freien Qi Fluss abhängig
  • Der freier Qi Fluss der Leber ist wiederum von der Ruhe im Herzen abhängig. Die Leber kann sich nur entspannen und das Qi harmonisch bewegen, wenn das Herz und der Shen ruhig und klar ist
Leber und Milz
  • Leber bewegt die Erde, Die Verdauung braucht Bewegung, sonst stagniert sie. Gleichzeitig muss diese Bewegung harmonisch sein, sonst stört das die Verdauung
  • Milz liefert Blut und Essenzen für die Leber, dadurch wird die Leber befeuchtet und besänftigt
Leber und Lunge
  • Leber bewegt das Qi nach oben und überall hin
  • Lunge bewegt das Qi direkt, klar nach unten
  • Lunge verbindet Himmel mit Erde, bringt das Qi des Himmels nach unten
  • Leber verbindet Erde mit Himmel, sie bringt das Qi der Erde, Yuan Qi, Feuer und Qi aus dem Mingmen nach oben.
  • Leber bewegt Qi und Blut, Lunge bewegt Qi und Wasser
Herz und Milz
  • Milz bildet Blut aus der Nahrung
  • Herz bewegt das Blut und beherrscht die Gefäße
  • Milz hält Blut in den Gefäßen, dichtet die Gefäße ab
  • durch die Bewegung des Blutes können Nährstoffe und Qi überallhin transportiert werden. Das ermöglicht die Bildung von Substanz/Fleisch (Milz) (Feuer erzeugt Erde)
Herz und Lunge
  • beide befinden sich im oberen Erwärmer und ergänzen sich einander über das Zong Qi
  • Das Zong Qi ermöglicht die Qi Bewegung in den Meridianen
  • Lunge beherrscht das Qi, Herz beherrscht das Blut
  • Blut wird durch das Qi bewegt, Qi wird über das Blut transportiert
  • Lunge reichert das Blut mit kosmischem Qi an (Atmung/Sauerstoff), Herz gibt dem Blut Shen
Milz und Lunge
  • Milz bildet Ying Qi, Lunge bringt Da Qi > Beide zusammen sind die Grundlage für Blut und alle Substanz
  • Ying Qi der Milz bildet die Flüssigkeiten welche die Lunge befeuchten
  • Milz hebt an, Lunge senkt ab und bringt Magen-Qi nach unten dadurch bekommt die Milz die Nahrung, die sie braucht und weiter transformiert.

Aus diesen und weiteren komplexen Beziehungen ergeben sich die Funktionen des Körpers. Die TCM ist vielschichtig und bedient sich mehrerer Konzepte. Man kann unmöglich alle Konzepte gleichzeitig auf einmal betrachten, sondern immer nur einzeln. Dabei muss man manchmal um ein Konzept zu verstehen, ein anderes fallen lassen, oder vernachlässigen. Das bedeutet jedoch nicht, dass es ungültig oder falsch ist. Manche scheinen sich zu widersprechen oder sind verwirrend. Das liegt in der Natur der Sache. Ein TCM Lehrer hat einmal gesagt, wenn du dir zu sicher bist, dann machst du irgendetwas falsch, oder hast etwas nicht verstanden.

Auf Basis der oben erwähnten Konzepte wird in der TCM die Diagnose gestellt. Es geht darum das Disharmoniemuster herauszufinden und zu identifizieren welche Organe und Organsysteme in ihrer Funktion gestört sind. Nur so kann man eine ädaquate Therapie einleiten.

Dabei orientiert man sich an den Symptomen, diese geben Hinweise welche Organe und Organsysteme beteiligt sind. Ferner nimmt man die Puls- und Zungendiagnose zur Hilfe um genauere Informationen zu bekommen und das Bild abzurunden.

Differenzierung von Krankheitsmustern

Es gibt viele verschiedene Konzepte um Erkrankungen mithilfe der chinesischen Medizin zu diagnostizieren. Hier die Wichtigsten:

Differenzierung nach Yin und Yang

Yin Erkrankungen zeichnen sich durch Kälte und Fülle aus. Der Stoffwechsel und alle Prozesse sind verlangsamt. Sie finden mehr im inneren und der Tiefe des Körpers statt. Sie entwickeln sich langsam.
Yang Erkrankungen treten plötzlich auf, sind von heißer Natur. Es tritt Unruhe, Rötung und Hitze auf. Sie entwickeln sich schnell und betreffen oft die Oberfläche und die oberen Körperbereiche. Sie verbrauchen Substanz, Blut und Säfte.

Differenzierung nach Innen und Außen

Äußere Erkrankungen treten durch äußere Einflüsse auf. Infektionen durch Viren, Bakterien und Pilze zählen dazu. Äußere Erkrankungen treten durch starke Äußere Pathogene auf und meist auf Basis eines geschwächten Immunsystems, also einer inneren Erkrankung.

Differenzierung von Pathogenen

Pathogene sind ähnlich den klimatischen Faktoren, krankmachende oder belastende Zustände. Sie können entweder von außen in den Körper eindringen oder im Körper selbst entstehen. Zu den Pathogenen zählen Feuchtigkeit und Nässe, Hitze, Kälte, Trockenheit und Wind.
Differenzierung nach Leitbahnen und Körperstellen
Besonders bei Schmerzen, Missempfindungen und Hautausschlägen betrachtet man sehr genau in welchem Areal und an welchen Meridianen sich diese zeigen. Das hilft sowohl der Diagnose als auch der anschließenden Behandlung.

Differenzierung nach Organsyndromen (Zang fu)

Die Funktion und der einzelnen Organsysteme ist in der Chinesischen Medizin sehr genau beschrieben. Wenn die Organsysteme nicht reibungslos funktionieren entstehen Störungen, die sich in ganz spezifische Symptome zeigen. Daraus werden Krankheitsmuster abgeleitet und Verknüpfungen hergestellt, die in eine Diagnose münden. In der Praxis kommt es selten vor, dass ein Organsystem alleine betroffen ist. Früher oder später entsteht eine Kettenreaktion, denn der Körper ist eine Einheit. Sobald ein Organsystem nicht reibungslos läuft führt das zur Beeinträchtigung weiterer Funktionen. Die nachfolgenden Ausführungen dienen deshalb nicht der Selbstdiagnose, sondern sind rein informativ. Der menschliche Organismus ist sehr viel komplexer.

Störungen des Lungenfunktionskreises
Mögliche Symptome:
Kurzatmigkeit, Husten, Asthma, körperliche Schwäche, Blässe, geschwollenes Gesicht, schwache Immunabwehr, schwache Stimme

Störungen des Milzfunktionskreises
Mögliche Symptome:
Magenerkrankungen wie Sodbrennen, Aufstoßen, Appetitlosigkeit, Heißhunger, Darmerkrankungen, Durchfälle, Blähungen, Völlegefühl. Gelbliche Hautfarbe, Erkrankungen der Leber und der Bauchspeicheldrüse. Müdigkeit, Trägheit, Wasseransammlungen, Übergewicht.

Störungen des Nierenfunktionskreises

Mögliche Symptome:
Starke Schwäche, Erschöpfung und Mutlosigkeit, Impotenz, sexuelle Unlust, Unfruchtbarkeit. Störungen des Immunsystems. Blasenerkrankungen, Kältegefühl, aber auch Hitzeempfindungen. Erbliche und genetische Erkrankungen. Erkrankungen des Gehirns und des Nervensystems. Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich und insgesamt Erkrankungen der Wirbelsäule und der Knochen. Wachstumsstörungen bei Kindern.

Erkrankungen des Leberfunktionskreises

Mögliche Symptome:
Wechselnde und wandernde Symptome und Beschwerden, Stresserkrankungen, Schmerzen und Blockaden, plötzliche und nach oben schießende Symptome, Bluthochdruck, Reizbarkeit und Ärger, Wasseransammlungen. Erkrankungen der Augen. Menstruationsschmerzen und Zyklusstörungen.

Erkrankungen des Herzfunktionskreises

Mögliche Symptome:
Unruhe und Nervosität, Schlafstörungen, innere Unruhe und Getriebenheit, Exaltiertheit, Herzstolpern und Herzklopfen. Psychische und geistige Erkrankungen.

Differenzierung nach den fünf Wandlungsphasen

Siehe  Die Fünf Elemente

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