Heilpraktiker – eine Alternative?

Naturheilkunde und Alternativmedizin

Ist der Gang zum Heilpraktiker oder die Anwendung der Naturheilkunde eine Alternative zur Schulmedizin? Oftmals wird es in den Medien so dargestellt. Es entsteht der Eindruck, dass man entweder die Schulmedizin, oder die Naturheilkunde in Anspruch nehmen kann. Heilpraktiker werden oft gegen Ärzte ausgespielt und in Konkurrenz gebracht.

Dabei ist der Gang zum Heilpraktiker weder eine Alternative, noch handelt es sich bei der Naturheilkunde um eine Komplementärmedizin. Auf keinen Fall sind Heilpraktiker und Ärzte Konkurrenten. Das was der Arzt macht, kann der Heilpraktiker nicht und was der Heilpraktiker macht, kann der Arzt nicht. Es gibt lediglich eine gemeinsame Schnittmenge und die ist das Behandeln von Krankheiten und Beschwerden.

Methoden, Patientenbild, Sicht- und Vorgehensweise sind grundlegend verschieden.

Die Naturheilkunde – ein eigenständiges Medizinsystem

Die Naturheilkunde ist eigentlich keine Alternative zur Schulmedizin, sondern eine eigenständige Parallelmedizin.

In manchen Fällen ist es sinnvoll die Naturheilkunde allein, vorab und präventiv zu nutzen und in anderen Situationen ist es erforderlich nur die Schulmedizin anzuwenden. Besonders dann, wenn es schnell gehen muss.

In vielen Fällen würden Patienten sehr davon profitieren, wenn man die Naturheilkunde zusätzlich zur Schulmedizin anwenden würde, also parallel.  Das wäre nicht nur im Interesse der Patienten, sondern der Allgemeinheit. Durch den richtigen Einsatz der Naturheilkunde werden Kosten eingespart, die den Krankenkassen und somit dem Beitragszahler entstehen.  Die Naturheilkunde ist vergleichsweise günstig. Meistens werden die Kosten sowieso von den Patienten selbst getragen.

Was wir gewohnt sind ist normal

Die Schulmedizin ist ein medizinisches System, welches sich in unserem Kulturkreis etabliert hat. Wir sind es gewohnt, deshalb ist erscheint es normal. Es geht konform mit der rationalen Denkweise und nimmt Wissenschaftlichkeit für sich in Anspruch.

Doch immer mehr Menschen erkennen, dass man damit allein nicht weiterkommt. Viele Krankheiten können trotz intensiver Bemühungen, umfangreicher Untersuchungen und teurer Behandlungsmethoden, nicht zufriedenstellend behandelt werden. Die Schulmedizin arbeitet rein auf der physischen Ebenen, der Mensch besteht jedoch nicht allein aus Organen und Zellen. Ein Teil der menschlichen Wirklichkeit und dazu gehören auch Erkrankungen, können deshalb nicht richtig verstanden und behandelt werden.

Es wird viel Geld in Forschung, Technik und Entwicklung von Medikamenten investiert, welches sich in immer höhere Krankenkassenbeiträgen niederschlägt. Wir alle bezahlen dieses teure Medizinsystem und trotzdem können viele Erkrankungen damit nicht adäquat behandelt werden. Viele Patienten bleiben unverstanden, unzufrieden und schlecht behandelt zurück.

Die Schulmedizin – eine Akutmedizin

Wenn es um medizinische Notfälle geht, akutes Organversagen, Unfälle und Knochenbrüche dann ist die Schulmedizin gefragt. Wenn es um schnelle Linderung geht oder um Leben und Tod, dann ist die Schulmedizin Mittel der Wahl. Die Naturheilkunde ist viel zu langsam und viel zu sanft, um hier eine Alternative sein zu können.

Ärztliche Methoden basieren auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, zumindest ist das der Anspruch. Tatsache ist, dass viele Anwendungen, auch in der Schulmedizin, auf Vermutungen und Empirie beruhen. Manchmal werden Dinge einfach ausprobiert, so wie in der Naturheilkunde auch, allerdings mit viel größeren Risiken und Nebenwirkungen. Das wird nur nicht so gerne zugegeben.

Der Mensch ist mehr als die Summe seiner Organe und Zellen. Der Mensch lebt nicht von Brot allein! Die Natur, der menschliche Körper und seine Funktionsweise ist nur zu einem sehr kleinen Teil erforscht. Wir kennen nur die Spitze des Eisbergs. Das Leben ist viel zu komplex, um von der Wissenschaft erfasst zu werden. Deshalb sind viele Ansätze der Schulmedizin zwar richtig, aber zu ungenau, oder nicht weitreichend genug. Es ist eben nur ein Teil der Geschichte bekannt. Die eingesetzten Medikamente wirken deshalb wie Keulen, die Nebenwirkungen hervorrufen. Das wird in Kauf genommen, weil es nicht anders geht. Zumindest scheint es so.

An den langen Beipackzetteln haben wir uns gewöhnt, das gehört einfach dazu. Dabei wird nur ein Teil der Nebenwirkungen erfasst.

Viele Nebenwirkungen melden die Ärzte gar nicht erst weiter, sie tun sie als Placebo ab, oder nehmen sie nicht ernst. So nach dem Motto, was nicht sein darf, kann nicht sein. „Das bilden sie sich nur ein, weil sie den Beipackzettel gelesen haben.“

Andersherum berichten Patienten den Ärzten viele Nebenwirkungen gar nicht erst. Andere Nebenwirkungen sind gar nicht bekannt, weil sie später auftreten oder nicht sofort in Zusammenhang mit einem Medikament gebracht werden.

Wenn ein Organismus durch chemische Medikamente geschädigt wird, dann kann es sich das erst viel später bemerkbar machen. Von Wechselwirkungen, die wenig erforscht sind, ganz zu schweigen.

Alles nur halb so schlimm?

Ein einigermaßen gesunder Organismus kann Vieles locker wegstecken.

Anders sieht es bei chronisch Kranken aus und bei Krankheiten deren Ursache nicht genau bekannt ist. Behandelt man hier lange mit schulmedizinischen Methoden und mit starken Medikamenten, dann ist das wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Ein chronisch kranker Organismus wird dadurch noch kränker. Genau hier kommt die Naturheilkunde ins Spiel.

Die Naturheilkunde – eine regulative Medizin

Die Naturheilkunde versucht den Organismus auszugleichen und wieder ins Lot zu bringen. Sie ist eine regulative Medizin. Die Symptombekämpfung hat zweitrangigen Charakter, denn diese bilden sich automatisch zurück, wenn der Körper wieder reguliert ist und ins Gleichgewicht kommt.

Eigentlich ist es sinnvoll zum Heilpraktiker zu gehen, bevor sich eine Erkrankung manifestiert. Sobald Symptome und Befindlichkeitsstörungen entstehen ist das ein Zeichen, dass irgendetwas aus der Ordnung geraten ist. Irgendetwas ist nicht mehr im Lot. Wenn man hier regulativ eingreift, dann genügen meist die sanften Mittel der Naturheilkunde. Das ist echte Prävention!

  Vorbeugen bedeutet nicht Krankheiten rechtzeitig zu erkennen, sondern sie zu verhindern bevor sie entstehen!

Die Grenzen der Naturheilkunde

Einen Organismus wieder ins Lot zu bringen und zu regulieren geht nur, wenn er entsprechend reaktionsfähig ist. Ist eine Erkrankung sehr fortgeschritten und komplex, oder ist der Organismus erstarrt, dann antwortet er nicht mehr auf sanfte Reize. Die Mittel der Naturheilkunde sind zu mild und verpuffen. Es kann höchstens eine leichte Linderung von Beschwerden erreicht werden. Deshalb spielt es eine große Rolle wann man die Naturheilkunde in Anspruch nimmt. Idealerweise dann, wenn eine Erkrankung noch nicht weit fortgeschritten ist und lediglich Befindlichkeitsstörungen und Unwohlsein bestehen.

Die Realität eines Heilpraktikers

Die Praxis sieht jedoch ganz anders aus. Oft kommen Patienten erst dann zum Heilpraktiker, wenn sie schon bei Pontius und Pilatus waren, alle Mittel der Schulmedizin ausgeschöpft haben und keine Hilfe bekommen konnten. Viele Patienten kommen zum Heilpraktiker, wenn sie austherapiert und zusätzlich durch eine Vielzahl von Medikamenten geschädigt wurden. Das ist leider der Alltag in vielen Naturheilpraxen. Von Heilpraktikern werden dann Wunder und großartige Heilungen erwartet. Gleichzeitig wird uns vorgeworfen, dass wir uns Anmaßen ohne Medizinstudium schwere Krankheiten zu behandeln. Doch die Patienten gehen zum Heilpraktiker, weil sie sonst keine Hilfe bekommen konnten und nicht, weil sie dumm oder leichtgläubig sind, wie oft behauptet wird.

Es ist nicht verkehrt zum Heilpraktiker zu gehen, wenn alles andere nicht geholfen hat. Doch man sollte wissen, dass in diesen Fällen ein Krankheitsbild schon sehr komplex geworden ist und man keine Wunder erwarten darf. Dennoch lohnt sich immer der Versuch den Körper zu regulieren, auch wenn es nur teilweise möglich ist und es viel Geduld erfordert.

Verkehrte Welt

Eigentlich sollte die Naturheilkunde bei Beschwerden und Befindlichkeitsstörungen das erste Mittel der Wahl sein.

Damit ist nicht gemeint, dass man Pülverchen, Globuli und Kräutertabletten wahllos in sich hineinschütten soll, in der Hoffnung, dass irgendetwas schon helfen wird, ohne zu schaden. Auch ist hiermit nicht gemeint, dass man anstatt chemischen Medikamenten, Kräuter und Globuli nehmen soll.

 Der Einsatz von Naturheilmitteln ist noch keine regulative Naturheilkunde.

Es geht vielmehr darum, gezielt den Körper durch sanfte Mittel wieder zu regulieren. Dazu braucht es Fachkenntnis über den menschlichen Organismus, weit über das naturwissenschaftliche Modell hinaus und zusätzlich fundiertes Wissen über die Naturheilkunde.

Wichtig ist es den Körper zu regulieren, bevor er repariert werden muss!

Ein Kommentar bisher - Was sagst du?

  1. Andreas Andersch said:

    Ein sehr schöner und, wie ich finde, notwendiger Beitrag. Es ist wichtig, dass wir, unserem Berufsbild entsprechend, eine klare Linie ziehen und uns in gewisser Form von den Ärzten abgrenzen. Außerdem betreiben wir Heilpraktiker deutlich zu wenig Lobbyismus und lassen uns von der Herrschaften in weiß oftmals am Nasenring durch die Arena führen. Das muss aufhören. Ich für meinen Teil spreche da aus Erfahrung. 30 Jahre Schulmedizin als Fachkrankenpfleger lassen einen da nicht unberührt.
    Von daher: Ganz lieben Dank für den Beitrag, ich hoffe, er wird viel gelesen.
    Liebe Grüße von Andreas Andersch

    14. Februar 2019
    Reply

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